Alle Jahre wieder steht Weihnachten vor der Tür, ist der Weihnachtsrausch in vollem Gange. Die Einkaufsstraßen quellen über vor Weihnachtsangeboten, Menschen auf der Jagd nach Geschenken, Menschen im Weihnachtsmarktrausch.
Doch warum feiern wir Weihnachten? Was vergessen wir alles über die Feiertage? Und was ist mit der "Krise"?
Ausgehend vom Weihnachtsfrieden 1914 (die Bundeswehr befindet sich zur Zeit in 11 Missionen im Ausland im Einsatz) möchte ich mit einem, zu diesem Zweck zusammengestellten, Ensemble bestehend aus einem Gitarristen, Schauspielern und Schlagzeugern und nicht zuletzt gemeinsam mit dem Publikum eine Atmosphäre schaffen, die zwischen Kriegsschauplatz und Weihnachtsmarkt schwebt und auf stilisierter Ebene den Krieg erfahrbar macht - fern jeder Action-Film-Ballerspiel-Plattitüde. Zu diesem Zweck möchte ich, neben unterschiedlichen Talenten aus verschiedensten Bereichen, auf möglichst verschiedene Mittel zurückgreifen. Derzeit plane ich mit folgenden Mitteln zu arbeiten: Soundcollagen, schauspielerische Darstellung, Musikinstrumenten (hauptsächlich Percussion), Gedichten (z.B. "Schtzngrmm" von Ernst Jandl), Volksliedern ("Stille Nacht"), Szenografie und Lichtinstallation.
Formal soll die Performance sich am Dadaismus, dem Theater der Grausamkeit und der Performance Art orientieren und weitestgehend improvisiert sein.
Ziel ist es, dass die Zuschauer und auch die Performer sich in diesem Rahmen mit den Eingangs erwähnten und noch weiteren Fragen (u.a. aus den von Max Frisch aufgestellten Fragebögen) auseinander setzen und nicht zu zu lassen, dass in der verklärenden Weihnachtszeit die Probleme, die in unserer Gesellschaft vorliegen in Vergessenheit geraten.
Hierzu sollen die Fragen den weiteren Rahmen der Handlung bilden. Auf Zettel geschrieben und willkürlich in schwarzen Luftballons versteckt, die mit den Ziffern 1-24 (Adventskalender) nummeriert den roten Faden der Performer bilden, sollen sie nach dem Platzen des jeweiligen Luftballons von einem Performer oder, nach eigeninitiative, vom Zuschauer vorgetragen werden.
Antworten erwarte ich weder von den Zuschauern noch von den Performern. Aber ich erhoffe mir eine Bereicherung des Zuschauers durch die Selbstreflexion und dadurch die Erkenntnis der Notwendigkeit sich zu positionieren.
Das "sich positionieren" des Zuschauers soll dabei auch sinnlich-physisch angeregt werden. Um ihn auch physisch wach zu halten, wird es keinen traditionellen Zuschauerraum geben. Schon beim betreten des Raums sind die Zuschauer also gezwungen sich zu positionieren, später sich zu den Performern zu verhalten, die sich zwangsläufig, spätestens auf der Suche nach dem richtig nummerierten Luftballon, durch sie hindurch bewegen.
Performanz: 13.12.2009
Ort: HMT Rostock, Studio 1 (St. Katharinen Stift 8, 18055 Rostock)
Ein Konzept von Ole Xylander, Rostock, den 13.11.2009
Bilder - Thomas Häntzschel

